Zeitgesetz

Was wäre unser Land nur ohne seine Gesetze für jeden Teil unseres Lebens? Nun, darauf fiele mir durchaus eine etwas provokante Antwort ein, die ich ausnahmsweise der Fantasie des Lesers überlassen möchte.

Eines dieser unverzichtbaren Gesetze ist das Zeitgesetz. Was regelt es wohl? Rrrrrichtig, es regelt wieviel Uhr es ist.

Paragraph 3 lautet folgendermaßen (Nur für unterbeschäftigte Anwälte wichtig: Das Zitieren von Gesetzestexten bedeutet nicht, dass ich hier Rechtsberatung mache, außerdem könnte sich der Text verändert haben wenn dieser Artikel altert):

§ 3 Ermächtigung zur Einführung der mitteleuropäischen Sommerzeit
(1) Die Bundesregierung wird ermächtigt, zur besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit und zur Angleichung der Zeitzählung an diejenige benachbarter Staaten durch Rechtsverordnung für einen Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 31. Oktober die mitteleuropäische Sommerzeit einzuführen.

(2) Die mitteleuropäische Sommerzeit soll jeweils an einem Sonntag beginnen und enden. Die Bundesregierung bestimmt in der Rechtsverordnung nach Absatz 1 den Tag und die Uhrzeit, zu der die mitteleuropäische Sommerzeit beginnt und endet, sowie die Bezeichnung der am Ende der mitteleuropäischen Sommerzeit doppelt erscheinenden Stunde.

Es geht also um das allseits beliebte Uhrenumstellen. Zweimal im Jahr lassen unsere Herrscher uns alle zu ihrem Vergnügen durch die ganze Wohnung tigern und sämtliche Uhren suchen, nur um sie um ne Stunde zu verstellen. Was für ein Riesenspaß! Ich stelle mir dabei gerne vor, wie Generationen von Kanzlern und Ministern schenkelklopfend und vor Vergnügen glucksend an ihre Untertanen denken, während die diese unsinnige Aufgabe erfüllen, nur um sich an ein aberwitziges Gesetz zu halten.

Es dürfte niemanden überraschen, dass die Idee der Zeitumstellung zu allererst in Deutschland (1916) verwirklicht wurde – obwohl sie von den Amis, besser gesagt von dem bekannten Benjamin Franklin erfunden wurde (auch wenn sich die Gelehrten streiten, ob der Vorschlag damals ernst gemeint oder nur ein Gag war). Wir sind halt verliebt in Regeln.

Zu Kriegszeiten hat man dann immer wieder damit rumgespielt, ähnliche Regelungen eingeführt oder abgeschafft. Nach dem Krieg kamen „wir“ (damit meine ich nicht mich persönlich, schließlich kenne ich das Phänomen von Geburt an) dann lange ganz gut ohne Sommerzeit zurecht – bis 1978. Das lag natürlich an der Ölkrise, die den Rohölpreis damals auf 5 Dollar pro Barrel getrieben hatte. Heute ist der natürlich mehr als zehnmal so hoch – aber die Leute von heute sind ohnehin Kummer gewohnt, uns haut ja so leicht nichts mehr um.

Das war damals aber noch anders und darum wollte man gucken, ob sich so Energie sparen lässt. Eigentlich hätte man sich das sparen können – die Amerikaner hatten eine entsprechende Testphase nur wenige Jahre zuvor durchgeführt und dabei eine Ersparnis von 1% des Elektrizitätsverbrauchs „erreicht“ (Wikipedia).

Es wurde denn auch in Deutschland keine Energie gespart. Schon nicht, weil sich Heizzeiten durch das verschobene Aufstehen verlängern, was ja den Verbrauch eher steigen lässt. Das gibt, laut Wikipedia, sogar die Bundesregierung selbst zu. Und hier fand ich tatsächlich eine entsprechende Meldung, die da lautete: „Laut Umweltbundesamt gibt es keine Einspareffekte beim Energieverbrauch, wohl aber Mehraufwand für das Umstellen von Uhren und Maschinen.“ (aus der Begründung einer Forderung der FDP Bundestagsfraktion aus dem letzten Herbst).

Es handelt sich also um ein eigentlich unsinniges Gesetz. Klar: Nur weil Gesetze keinen Sinn ergeben mögen werden sie noch lange nicht abgeschafft. Das wissen wir und gegenteiliges Handeln würde uns vermutlich eher verwirren als positiv überraschen.

Kein noch so gutes Argument scheint bei der Bundesregierung oder der Europäischen Kommission (denn natürlich ist die Zeit inzwischen europäisch vereinheitlicht worden) stark genug zu sein, um dem ein Ende zu setzen. Wer wissen will, welche negativen Auswirkungen der halbjährliche Uhrenlauf hat, der kann sich bei dieser Kampagne mal näher darüber informieren, denn ich habe grade keine Lust mehr abzulästern…

Und so werden sich unsere Herrschenden auch demnächst wieder ins Fäustchen lachen, wenn sie uns zu ihrer Belustigung von einer Uhr zu anderen hetzen. Am 25. März ist es mal wieder soweit. Um 2 Uhr ist es dann plötzlich 3 Uhr, man könnte also ohne schlechtes Gewissen ne Stunde länger schlafen.

Blog-Beitrag vom Filterblog – gibt nicht zwangsweise Aufschluss über Meinung, Position oder Beschlusslage der Jungen Liberalen Harburg-Land wieder, ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weit davon entfernt.