“Spendieronkel” Glos

Als mich die Nachricht über Ostern erreichte, da dachte ich erst ich wäre so von dem von den vielen Osterfeuern ausgehenden Feinstaub benebelt, dass ich unter akustischen Halluzinationen leide. Anders konnte ich mir nicht erklären, dass ein Mitglied der Bundesregierung plötzlich offen über Steuersenkungen redet.

Nur so zur Erinnerung: Es ist gerade erst viereinhalb Monate her, dass mal eben die Mehrwertsteuer von 16% auf wie im Wahlprogramm der Union angekündigt, 18% den SPD/CDU/CSU-Kompromisswert von 19% erhöht wurde. Schon deshalb würde sich die Regierung ja selbst lächerlich machen, wenn sie nun einen völlig anderen Kurs, der wieder weg vom Sozialismus führt, einschlägt.

Da es sich ausgerechnet um Bundesinternetminister für Wirtschaft und Technologie Michael Glos handelt, über dessen Auffassung von moderner Technik ich mich vor wenigen Tagen leicht ironisch und abwertend geäußert hatte, möchte ich ihn trotz der geringen Durchsetzungswahrscheinlichkeit seiner Steuersenkungsidee mal lobend erwähnen. Soll keiner sagen ich könnte nur meckern.

Natürlich (vorprogrammiert wenn man auf die Mehrheiten von Stammtischphilosophen und Sozialisten angewiesen ist) weht Glos nun ein eiskalter Wind des Widerstands entgegen. Dass er trotzdem an seiner Forderung festhält, wie ich heute zufriedenstellend lesen durfte, wird mich zwar trotzdem niemals dazu bewegen CSU zu wählen (selbst wenn das für mich als Niedersachse möglich wäre) aber immerhin hat sich unser Wirtschaftsminister damit bei mir ein paar kleine Pluspunkte verdient – die er nach seinem saudummen Internetkommentar allerdings auch bitter nötig hatte.

Sein Satz (wird so im Spiegel zitiert)

„Wir müssen dafür sorgen, dass das Geld in den Taschen der Bürger bleibt, die es verdienen.“

gehört eingerahmt oder zumindest jedem anderen Kabinettsmitglied hinter die Ohren geschrieben.

Aber hier trennen sich dann auch schon Jans Wunschwelt und die harte Wirklichkeit. Wenn SPD-Fraktionsvize Poß als Reaktion auf Glos‘ Ideen Dinge sagt wie

„Überall lauern Milliardenrisiken, und Herr Glos macht den Spendieronkel“

kommt das wahre sozialistische UnWesen deutscher Volksparteien zum Vorschein. Wenn man mitregiert und den Untertanen weniger viel Kohle abknöpfen möchte als bisher, ist man ein Spendieronkel. Ist ja klar: Steuersenkungen sind Geschenke, darum werden sie wenn überhaupt am liebsten kurz vor Wahlen verteilt. Denn alles erwirtschaftete Geld gehört ja nach dieser Lesart auf jeden Fall erstmal dem Staat, der dann entscheidet wieviel jeder von seinem Gehalt denn so frei ausgeben darf und wieviel der Staat viel besser für ihn ausgeben kann.

Spiegel Online macht da mit seiner Überschrift „Minister Glos besteht auf Steuergeschenken“ auch noch brav mit. Irgendwie muss der großkoalitionär-wählenden Bevölkerung ja eingetrichtert werden, dass sie ihr Geld zuerst für das Land und erst dann für sich selbst verdienen.

Da fällt mir ein passendes, sehr bekanntes Kennedy-Zitat ein:

„Also meine Mitbürger, fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“

Sieht so aus, als hätten sich viele Politiker aus Union und SPD eher für diesen Wahlspruch entschieden, als für den von weiter oben.

Cross-Beitrag vom Filterblog – gibt nicht zwangsläufig Aufschluss über Meinung, Position oder Beschlusslage der Jungen Liberalen Harburg-Land wieder, ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weit davon entfernt.