Offener Brief zur Drogenpolitik

Sehr geehrte Frau Griefahn, sehr geehrter Herr Grosse-Brömer,

in der letzten Zeit häuften sich Medienberichte aus dem Landkreis Harburg, nach denen zum Beispiel Hanf-„Plantagen“ (obwohl es sich zum Teil nur um wenige Pflanzen handelte, schien den Zeitungen der Begriff Plantage angemessen zu sein, daher die Gänsefüßchen) durch staatliche Behörden zerstört, beziehungsweise die Ernte sichergestellt wurde. Weitere Berichte gab es auch von Ermittlungserfolgen der Polizei, der es nach monatelangen Ermittlungen gelang, Menschen beim Handel mit Marihuana und Haschisch „in flagranti“ zu erwischen.

Die Jungen Liberalen in Harburg Land fragen sich, ob dieser Aufwand, der sicherlich nicht ganz billig gewesen ist, wirklich noch gerechtfertigt ist. Wir selbst fühlen uns nicht in der Lage zu verstehen, warum man beispielsweise beim Umgang mit Cannabis, Haschisch oder Marihuana gleich mit dem Gesetz in Konflikt kommt, andere Drogen aber nichts dergleichen auslösen.

Nun sind wir, wie sie sicher wissen, sehr liberal gesinnte Leute und gestehen daher den Menschen ein hohes Maß an Eigenverantwortung zu. Ihnen dürfte auch bekannt sein, dass wir der Ansicht sind, dass diese Drogen genau wie Alkohol, Nikotin, Kaffee, Weihrauch oder Pokerspielen zumindest erwachsenen, also mündigen Bürgern erlaubt sein, beziehungsweise bleiben müssen.

Aber wir sind jung, darum vielleicht schnell ungestüm und manchmal etwas schwer von Begriff (was die PISA-Studie ja eindrucksvoll belegt) und würden uns gerne von Ihnen, als unseren Vertretern im Bundestag, erklären lassen, was aus Ihrer persönlichen Sicht, aber auch was aus Sicht der Fraktionen und der Basis von CDU beziehungsweise SPD dafür spricht, erwachsenen Deutschen den Besitz der oben genannten Substanzen zu verbieten und damit ihren Konsum weitgehend zu illegalisieren.

Liegt es wirklich daran, dass Sie den Deutschen nicht zutrauen, selbst einzuschätzen, was gut für Sie ist? Und warum sind andere Drogen dann inkonsequenterweise erlaubt? Oder gibt es gar Bestrebungen, auch hier den freien Bürger weiter zu entmündigen? Die Rauchverbote in Restaurants und Kneipen gehen ja irgendwie in diese Richtung, auch wenn hier gern mit dem Schutz der Nichtraucher argumentiert wird. Sogenannte „Flatrate“-Partys werden jedoch inzwischen genauso von der Politik aufs Korn genommen, wie gesellige, aber durch teure Bücher, Studiengebühren und steigende Lebenskosten sowieso klamme Studenten (also Erwachsene!) unter uns mit einiger Unruhe zur Kenntnis genommen haben.
Sehr geehrte Frau Griefahn, sehr geehrter Herr Grosse-Brömer, bitte geben sie uns, den politisch interessierten jungen Menschen in Ihrer Heimat, einen Einblick in Ihre Denkweise über diese Fragen. Sagen sie uns, wo die Reise Ihrer Ansicht nach hingeht oder hingehen sollte.

Ihr Einverständnis vorausgesetzt, würden wir Ihre Antworten gern, genau wie mit dieser Anfrage bereits geschehen, auf unserer Website unter http://julis.fdp-winsen.de veröffentlichen, um so auch anderen an diesen Fragen interessierten jungen Menschen weiterhelfen zu können.

Mit freundlichen Grüßen, Jan Filter im Namen des Kreisverbandes Harburg-Land

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