Jetzt wird der Alkohol zur Sau gemacht!

Verbote haben derzeit Hochkonjunktur. Woran liegt das? Natürlich an uns freien Menschen. Wir kaufen „Glühbirnen“ statt Energiesparlampen, wir fahren auf Autobahnen schneller als 130 Kilometer in der Stunde, wir Rauchen wann und wo es uns passt, wir spielen „Killerspiele„, fahren SUVs (am besten noch dieselgetrieben und ohne Rußfilter!), wir sehen uns Internetseiten wie wir wollen – ohne uns zu fragen was unser Innenminister davon hält und wundern uns dann darüber, wenn der uns seine Trojaner ins System jagen will, wir raubkopieren und gefährden dadurch ganze Generationen massenkompatibler „Superstars“, wir stehen auf durchgestrichene Hakenkreuze um unserer Abneigung gegen Extremisten Ausdruck zu verleihen, wir fahrenfliegen in den Urlaub, wohin es uns passt, wir essen was und wo wir wollen, wir ignorieren Mehrwegverpackungen seit wir auch auf Einweg Pfand zahlen, wir treiben Wintersport auf Kunstschnee oder in Skihallen und einige besonders Verirrte von uns wählen sogar die NPD…

All dies macht deutlich: Wir missbrauchen unsere Freiheit jeden Tag! Einige dieser Verbrechen sind bereits verboten, was trotzdem niemanden hindert sie zu begehen. Was davon noch nicht verboten ist, sollte es nach der derzeit politisch korrekten Meinung dringend werden. Und wir sind Schuld, weil wir uns ja nicht von alleine so verhalten wollen, wie es unsere Führer von uns erwarten. Wir dagegen erwarten von denen, dass sie sich um all diese Probleme kümmern. Dafür haben wir (oder wenigstens die große Mehrheit von uns, die unbedingt eine große Koalition wollte um endlich die großen Probleme anzupacken) sie schließlich gewählt.

Sarkastische Zeitgenossen mit einem Hang zu Metaphern behaupten, dass mit jeder Verbotsdebatte eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Wenn das so ist, dann wird nun der Alkohol zur Sau: „Politiker fordern Alkoholverbot für Jugendliche“ titelt Spiegel Online heute.

Die Sautreiber diesmal (bis jetzt): CDU/CSU und Grüne. Eine Kombination, an die ich mich immer noch nicht so ganz gewöhnt habe. Wer noch keine 18 ist, der darf nach den Jägermeister-Schwarzen und den Waldmeister/Wodka-Grünen bald nichtmal mehr ein Bierchen trinken. Außerdem soll das schon jetzt geltende Jugendschutzgesetz konsequent eingehalten werden. Weil sich die Vordenker dieser Idee darüber im Klaren sind, dass das nicht so einfach durchzusetzen ist, müssen „Kontrollen konsequent durchgeführt werden“ (Maria Eichhorn, CSU). Irgendwas sagt mir, dass dabei nicht etwa die eigentlich zuständigen Eltern gemeint sind. Gibt es demnächst eine Art Schützenfestpolizei? Wird man sich bald daran gewöhnen müssen, dass Stadtfeste von einem streng und laut gebrülltem „Lassen sie das Bier fallen, Hände an die Wand!“ unterbrochen werden?

Den Grünen reicht ein Verbot allein nicht aus. Sie wollen aufklären. Irgendwas sagt mir auch hier, dass man diese Aufgabe wohl nicht den Eltern überlassen will.

Wäre ich naiv, dann würde ich jetzt denken man hätte den entsprechenden Schulunterricht eingestellt. Zu meiner Schulzeit wurde das Thema nämlich in nicht weniger als drei Schulfächern behandelt… und trotzdem hat mich das nicht daran gehindert, zu trinken was, wann und wieviel ich für richtig gehalten habe. Gut, vielleicht bin ich aber auch ein von Natur aus böser Mensch.

Der Auslöser für die Debatte war übrigens mal wieder ein bedauerlicher extremer Einzelfall: Ein 16-jähriger aus Berlin hatte einen über den Durst 51 Tequila über den Durst getrunken und war danach ins Koma gefallen. Ich bin eigentlich ein relativ geübter Trinker, wenn ich mir aber innterhalb kürzester Zeit 52 Tequila in die Birne knallen würde, dann wäre ich auch so weg wie man nur sein kann.

Was spricht also dagegen, wenn man 16-jährigen verbietet Tequila zu trinken, noch dazu in solchen Mengen? Nun, dazu kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Fakt ist jedoch: Es ist verboten. Die neue Sau läuft also mal wieder voll am Problem vorbei, die jetzt geäußerten Vorschläge hätten da gar nichts verhindert.

Warum gehen junge Leute eigentlich so schlecht mit sich selbst um? Weil sie ahnen, dass ihr Leben hart genug wird, weil zum Beispiel Jene, die nun nach Verboten aller Art schreien ihnen viele große Steine in den Weg gelegt haben? Zum Beispiel in Form von gewaltigen Schuldenbergen, einer halsabschneiderischen Rentenkasse, einem kaputten Gesundheitssystem, und teuer gewordenen Universitäten? All das lässt ja nicht gerade auf eine muntere Zukunft hoffen. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass man eigentlich wenig zu verlieren hätte…

Und noch bevor ich den oben gelinkten Artikel zuende gelesen hatte, ahnte ich bereits dass wohl wieder mal nur eine Partei gegen diese neue, sinnlose Verbotsdebatte angehen würde. Der Satz des FDP-Sprechers für Drogenpolitik, Detlev Pfarr, „Ich habe den Eindruck, Politiker beruhigen ihr Gewissen mit spontanen Aktionen“ ist mir wie aus der Seele gesprochen und ich hatte hier schonmal sinngemäß Ähnliches geschrieben:

Es scheint, als wären diese Gesetze das Produkt von Leuten, die glauben jedes Problem mit einem Verbot lösen zu können. Frei nach dem Motto: “Was mir nicht gefällt und was schlecht ist wird verboten, damit existiert es dann nicht mehr.”

Er ist zwar auch für mehr schulische Aufklärung und appeliert an Wirte auf „Flatrate-Partys“ zu verzichten. Aber in der momentanen stammtischkonformen und verbotsgierigen Stimmung bildet seine Einstellung dennoch einen wohltuenden Kontrast zu den vielen allzu staatsgläubigen Freiheitsfeinden.

Darauf mach ich mir jetzt erstmal ein Bier auf. Prost.

Cross-Beitrag vom Filterblog – gibt nicht zwangsläufig Aufschluss über Meinung, Position oder Beschlusslage der Jungen Liberalen Harburg-Land wieder, ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weit davon entfernt.

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