Gerichtlich bestätigt: Reball doch nicht menschenunwürdig

Halbwegs gebildete oder vernünftige Menschen werden auf diese Überschrift mit einem „ja wieso sollte es auch?“ oder so ähnlich reagieren. Es sei denn, sie gehören dieser etwas lächerlichen, aber leider sehr verbreiteten selbsternannten Moralkeulen-Fraktion an, die in allem was sie nicht kennt erstmal eine Gefahr sieht.

Von der Sorte gibt es leider auch welche bei mir in der Gegend. Ich fürchte sogar in (zu) großer Zahl.

Am 13. September vergangenen Jahres berichtete der Winsener Anzeiger von einer Sitzung des Verwaltungsausschusses der Stadt, in der sich mehrheitlich gegen Reball in Winsen ausgesprochen wurde.

Obwohl ich überhaupt nicht vor hatte oder habe, das jetzt unbedingt mal spielen zu müssen, habe ich mich in einem meiner ersten Artikel schonmal kräftig über diese moralapostolische SchlechterBesserwisserei aufgeregt.

Diese Aufregung hat sich inzwischen zu einem wesentlich intensiveren Interesse an der kommunalen Politik weiterentwickelt, weil auch „meine“ Fraktion hinter dieser Entscheidung stand und ich daraufhin irgendwie den Eindruck hatte, dass ich da unbedingt früher hätte reagieren müssen – wenn ich denn ausreichend interessiert gewesen wäre.

Das ich Recht hatte mit meiner Einschätzung, dass Reball nicht „gefährlicher“ ist als dass, was Schützenvereine oder Kinder mit Wasserpistolen machen, hat mir nun also das Verwaltungsgericht Lüneburg bestätigt:

Das Verwaltungsgericht Lüneburg hat am Donnerstag der Umnutzung einer früheren Badmintonhalle in Winsen/Luhe zur Reball-Anlage zugestimmt.[…]

Die Kläger hatten die Halle im Oktober 2005 ohne Genehmigung in eine Reball-Arena umgebaut. Der Landkreis hatte die Anlage kurz darauf stillgelegt. Einen nachträglichen Umnutzungsantrag hatte die Behörde mit der Begründung abgelehnt, der Schießsport Reball missachte die Menschenwürde. Er baue durch «spielerisches Töten» Tötungshemmungen ab und breche Tabus.

Diese Meinung teilte die Kammer dem Gerichtssprecher zufolge nicht. Beim Reball stehe der Spiel-, Sport- und Spaßcharakter im Vordergrund. Im Gegensatz zum verwandten Paintball würden die getroffenen Spieler nicht mit Farbe markiert. Insofern sei Reball kein kriegsähnliches Spiel und insbesondere nicht menschenunwürdig.

Hätten die Gegner der Anlage sich mal die Mühe gemacht, sich vor ihrer Ablehnenden Haltung darüber zu informieren, gegen was sie da eigentlich sind, dann wäre ihnen diese Blamage erspart geblieben.

Davon abgesehen ist es ziemlich oberlehrerhaft, von oben herab zu bestimmen, welche Werte eine Gesellschaft haben darf. Sport, Spiel, Strategiesinn und Teamgeist dürfen meiner Meinung nach aber auch gerne dazugehören.

Aber Werte einer Gesellschaft dürfen nicht einfach so von der Politik bestimmt werden. Wertvorstellungen können nicht von ein paar ausgewählten Volks-Vertretern willkürlich festgelegt werden. Erst recht nicht, wenn die gar keine Ahnung haben.

Werte entstehen in der Bevölkerung, die Politik sollte sie Vertreten – nicht festlegen oder gar irgendwie erziehen wollen. Es ist ungeheuer schwer für einen Politiker, diese immer richtig einzuschätzen. Aber da in diesem Fall ähnliche Anlagen in vielen anderen Städten längst in Betrieb sind und diese keineswegs zu mehr Kriminalität und Gewalt geführt haben, hätten die Verantwortlichen von vorn herein davon ausgehen können, dass Reball gesellschaftlich toleriert wird.

Man hätte sich nicht jenem nervenden Anti-Killerspiel-Aktionismus anschließen müssen, der so dumm und unsinnig ist wie die meisten Verbote, über die dieser Tage geredet wird.

Das auch die FDP im Stadtrat hinter diesem panischen Moral-Aktionismus stand, ist bedauerlich und kommt hoffentlich so schnell nicht wieder vor. Gerade die Partei der Freiheit sollte es doch anderen Parteien überlassen, deren gefühlte moralische Überlegenheit gegen innovative (und in diesem Fall sogar die Jugend begeisternder) Ideen kleiner und mittlerer Unternehmer zu stellen.

Um dem geschädigten Unternehmer zu helfen, einen Teil der durch diesen albernen und peinlichen Zirkus entgangenen Einnahmen nachzuholen (die Arena ist ja längst betriebsbereit, da steckt natürlich einiges an Geld drin), sowie um ein weiteres Mal meinem Protest ausdruck zu verleihen, gibts an dieser Stelle kostenlose Werbung für den Shape Club Winsen und sein Reball-Angebot, dass nun hoffentlich bald den Betrieb aufnehmen kann.

PS: Lieber Stadtrat, lieber Kreistag, bitte spart Euch die Rechtsmittel gegen diese Entscheidung – und uns die damit verbundenen sinnlosen Kosten. Ein blaues Auge wegen so einer albernen Angelegenheit genügt und das Image meiner Heimat hat in diesem Punkt wirklich genug gelitten.

[Kommentare dazu]

Cross-Beitrag vom Filterblog – gibt nicht zwangsläufig Aufschluss über Meinung, Position oder Beschlusslage der Jungen Liberalen Harburg-Land wieder, ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weit davon entfernt.