Das Wort zur Rente – mal ganz unverblümt

Als vor wenigen Wochen Sozialdemokraten und Unionspolitiker die neueste Rentenreform beschlossen haben, regte sich Widerstand im Lande. Dabei ging es vor allem um die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.

Viele Menschen haben eben keine Lust, zwei Jahre länger zu arbeiten als es vorher der Fall warzumindest der Fall sein sollte. Kann ich nachvollziehen. Ich persönlich hätte auch kein Problem mit einer Rente ab 35. Oder ab 25, dann wäre ich bereits im wohlverdienten Ruhestand. Und wenn ich mir die Proteste gegen eine Anhebung des Renteneintrittsalters so ansehe, dann halte ich Reformen, die dieses erheblich senken auch für einigermaßen mehrheitsfähig. Warum wird das dann nicht gemacht?

Na weil das keine Sau bezahlen kann, ist eigentlich auch klar. Dass jedoch das bestehende System nicht mehr bezahlbar ist, ist zwar auch eine Tatsache, die wird aber gern ignoriert um den „sozialen Frieden“ zu sichern und nicht verschiedene Gernerationen gegeneinander aufzubringen. Keine sehr ehrliche Verfahrensweise, aber es handelt sich eben um Politik. Und in der Politik haben es die ehrlichen Menschen eben immer schwer. Die Mehrheit der Wählerschaft sträubt sich scheinbar bis zum letzten Moment dagegen, Realitäten anzuerkennen und wählt deshalb lieber Sonntagsreden-haltende Populisten als diese nervigen Realisten, die immer so brutal ehrlich daherreden. Das soll mich aber im Augenblick nicht weiter beschäftigen.

Die Frage des Rentensystems interessiert trotzdem viele Menschen. Viele halten sie für das beste denkbare System, weil sie staatlich garantiert und damit tatsächlich in gewisser Weise sicher ist. Was nicht so sicher ist, ist die Höhe der Beiträge, beziehungsweise deren Stabilität. Irgendwo las ich vor kurzem, dass jetzt schon geplant ist, dass der Beitragsatz bis 2030 nicht höher als auf 22% steigen soll. Nun weiß man ja, was davon zu halten ist wenn sich notorische Schönfärber so äußern. Von daher begebe ich mich da einfach mal aufs Glatteis und behaupte, dass durchaus 25-30% zu diesem Zeitpunkt denkbar wären. Wenn nicht, dann würde eben der steuerfinanzierte Anteil (der meines Erachtens schon heute hoch genug ist) erhöht werden, um zumindest den Schein eines funktionierenden Systems aufrecht zu erhalten. Wenn andererseits Regierungspolitiker (deren Aufgabe es sein sollte das eigene angebotene System entweder optimal zu finden oder es zu optimieren) dafür werben, ab und zu mal auf Urlaub zu verzichten und stattdessen etwas für die Altersvorsorge zu tun, dann gibt auch das weiteren Anlass am bestehenden System zu zweifeln.

Darum ist die Erhöhung des Eintrittsalters meiner Einschätzung nach so etwas wie ein Eingeständnis, dass das System verbessert werden musste und ich bin überzeugt davon, dass das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange gewesen ist. Ich persönlich werde, wenn ich mich auf den Staat verlasse, vermutlich frühestens 2050 in den Ruhestand gehen können. Dann bin ich 70. Sicher, die Rente, die ich vom Staat bekommen werde, wird wesentlich kleiner sein als dass was heutige Renter so bekommen. Schon deshalb werde ich mich nicht nur auf das staatliche System verlassen.

In diesem Zusammenhang bin ich vor kurzem auf diesen Artikel in den NachDenkSeiten gestoßen. Darin wird der Postbank vorgeworfen, ihren Kunden die „staatliche Rente madig zu machen“, indem sie auf eigene Produkte und die vielzitierte Sicherungslücke verweist.

Aber wie kann man sich das Produkt „Staatliche Rente“ madig machen lassen, wenn man doch ohnehin keine Wahl hat? Bei der Postbank ist der Kunde zumindst in so weit König, dass er Angebote annehmen und ablehnen kann wie er will. Das Unterscheidet ihn hier auf ganz bezeichnende Weise von seinem Status des Zwangs-Renten-Versicherten beim Staat. Denn hier hat man keine Wahl, man kann den „Generationenvertrag“ nicht kündigen. Schon deshalb nicht, weil man ihn niemals unterschrieben hat, was die Bezeichnung an sich schon als populistischen Unfug entlarvt.

Wenn die staatliche Rente so toll und so sicher ist, wie Blüm und andere uns immer wieder gerne versichern, warum tritt sie dann nicht endlich in echten Wettbewerb zu angeblich so unsicheren Konkurrenzangeboten aus der Wirtschaft? Dann hätte ich die Wahl, könnte mich so versichern wie ich möchte und mein Renteneintrittsalter/Arbeitsaustrittsalter selbst festlegen? Dann könnte ich, wenn ich wollte (und die Kohle hätte) notfalls eben auch schon mit 35 meinen Ruhestand genießen, wenn mir danach ist. Denn wann, für wen, wie viel und bis in welches Alter ich arbeite, das sind Fragen die meine persönliche Lebensplanung betreffen und die möchte ich bitteschön selbst erledigen. Dazu brauche ich keine Regierung und keinen Staat, der mir seine Idealvorstellungen aufzwingt.

Cross-Beitrag vom Filterblog – gibt nicht zwangsläufig Aufschluss über Meinung, Position oder Beschlusslage der Jungen Liberalen Harburg-Land wieder, ist jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht weit davon entfernt.